1 m² Kultur

Vereine sind die Basis einer lebendigen Gesellschaft, einer funktionierenden Demokratie und wichtige Gegenüber für die Politik. Eine funktionierende Zivilgesellschaft zu unterstützen, sollte im Interesse aller Kommunen in der Bundesrepublik Deutschland sein – denn insbesondere Chorvereine bereichern das kulturelle Leben in der Kommune, sorgen für die kulturelle Teilhabe von Kindern und Jugendlichen und bieten Orte des demokratischen Miteinanders. Hierfür braucht es jedoch Begegnungsstätten.

Immer mehr Chorvereine haben Schwierigkeiten, bezahlbare und geeignete Proberäume und Konzertorte zu finden – und das nicht nur in ländlichen Regionen, sondern auch in Städten. Sofern Räumlichkeiten vorhanden sind, sind diese oftmals für die Bedürfnisse von Chören nicht geeignet, denn Chöre brauchen große Räume, eine gute Akustik, Steckdosen für die Probe mit dem E-Piano, usw.

Wenn es Räumlichkeiten gibt, können viele Chorvereine die Raummieten nicht aus ihren geringen Einnahmen stemmen. Ein weiteres Problem ist die weite Anreise zu den spärlich vorhandenen Probenorten insbesondere in ländlichen Regionen: Je weiter ein Probenort vom Wohnort der Kinder und Jugendlichen entfernt ist, desto höher die Hürde, teilzunehmen (nicht jede Familie hat ein Auto und die Zeit, die Kinder zur Probe zu bringen).

Chöre sind wichtige Angebote für die Bildung und Entwicklung von Kindern und Jugendlichen, bei denen diese Anschluss und Gemeinschaft finden und die Schönheit des gemeinsamen Singens erleben. Zudem tragen Chorvereine zum gesellschaftlichen Leben bei und sind somit eine wichtige Säule der Zivilgesellschaft. Eine infrastrukturelle Förderung von Chorvereinen ist aus Sicht der Deutschen Chorjugend daher sehr wichtig und längst überfällig, wo noch nicht geschehen.

Uns ist bewusst, dass die Förderung von Chorvereinen Aufgabe der Kommunen und nicht des Bundes ist. Deshalb möchte die Deutsche Chorjugend ihre Mitgliedsverbände und Chorvereine dabei unterstützen, gezielte und im Ehrenamt machbare Interessensvertretung zu betreiben, um in diese Richtung zu wirken. Denn längst nicht alle Chorvereine haben den Vorteil, in einer Kommune ansässig zu sein, die Vereine mit einer jährlichen angemessenen Pauschale pro Mitglied unterstützt. Dies ist eine freiwillige Leistung. Nicht alle unserer als Vereine organisierten Chöre profitieren also von einer infrastrukturellen Vereinsförderung.

Gerade in der aktuellen Pandemie besteht aufgrund der Hygieneauflagen ein deutlich höherer Bedarf an großen Proberäumen. Wenn die Chöre aus der momentanen Zwangspause wieder in einen funktionierenden Regelbetrieb starten sollen, müssen diese gerade bei etwaigen Raum- und Saalmieten entlastet werden.

Die Deutsche Chorjugend fordert:

  • Kommunen, die keine angemessene infrastrukturelle Vereinsförderung anbieten, sollen diese einführen, denn Chorvereine als tragende zivilgesellschaftliche Säule müssen gestärkt werden, um unser demokratisches System zu erhalten.
  • Kommunen sollen Chorvereinen kostenlose oder stark vergünstigte Proberäume und Auftrittsmöglichkeiten bieten, denn Chorvereine bieten ein niedrigschwelliges kulturelles Angebot und sind Orte des demokratischen Miteinanders.
  • Kommunen sollen aktiv auf eine Vergrößerung des Angebots an Proben- und Auftrittsräumen für Chorvereine und andere künstlerische Vereine hinwirken. Insbesondere soll dies auch durch eine verbesserte Auslastung bestehenden kommunalen Eigentums geschehen. Dafür sollen nach Möglichkeit flächendeckend Vermittlungssysteme bei den Kommunen eingeführt werden, die (analog zur mancherorts vorhandenen Vermittlung kommunaler Sporthallen an Sportvereine) das Vorhandensein von geeigneten Räumen (z.B. Aulen/Festsäle, Theaterräume, Unterrichtsräume, Speisesäle, Verhandlungssäle) in bestehenden kommunalen Gebäuden (z.B. Schulen, Rathäuser, Verwaltungsgebäude) prüfen und jene Zeitslots, an denen sich die Räume nicht durch den Primärnutzenden in Verwendung befinden, von Amts wegen an nachfragende Chorvereine und künstlerische Gruppen vergeben. Dies soll für gemeinnützige Organisationen nach Möglichkeit maximal, für alle anderen in der Regel zu den realen Betriebskosten geschehen, die auf die Nutzungszeit entfallen. Individuelle Vereinbarungen des Primärnutzenden mit Chorvereinen und anderen künstlerischen Vereinen sollen stets Vorrang haben. Durch das Vermittlungssystem soll eine Vollnutzung angestrebt werden.
  • Weiterhin sollen Kommunen bei der Planung neuer Gebäude und Renovierungen auf die Nachfrage nach großen Räumen durch die genannten Nutzungsgruppen Rücksicht nehmen und diese generell auf Mehrfachnutzung auslegen, oder gezielt Immobilien für den kulturellen Vereinsbetrieb unterhalten.
    Ebenso halten wir es für sinnvoll, wenn die kommunalen Vermittlungssysteme bei akuten Kapazitätsengpässen oder zur Kostenreduktion geeignete kommerzielle Objekte anmieten und Vereinen für bestimmte Zeitfenster zur Verfügung stellen.


Das Positionspapier ist entstanden in der Denkfabrik Chorjugendpolitik mit Teilnehmenden aus dem Vorstand, den Landesverbänden und der Geschäftsstelle und wurde am 13.09.2020 auf dem Chorjugendtag beschlossen.