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Pressemitteilung # 02-10

16.03.2010 – Deutsche Chorjugend trauert um Hermann Olberding

Unser langjähriger Weggefährte und Vorstandsvorsitzender Hermann Olberding kam am 10. März 2010 bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Er wurde 56 Jahren alt. Wir trauern um ihn und sind in unseren Gedanken bei seiner Ehefrau und seinen beiden Kindern.

Hermann Olberding war 1995 Mitbegründer der Deutschen Chorjugend und seitdem Mitglied im Bundesvorstand. Von 1997 bis 2001 war er Vorsitzender der Chorjugend im Chorverband Niedersachsen-Bremen. 2003 wurde er zum Vorsitzenden der Deutschen Chorjugend gewählt.

Hermann Olberding setzte sich mit all seiner Energie für die kulturelle Bildung von Kindern und Jugendlichen ein. Dabei verfolgte er immer den Weg, gleiche Bedingungen für alle zu schaffen. Bei der Chorjugend initiierte er ein einheitliches Modell für die musikalische Ausbildung von jungen Chorsängerinnen und Chorsängern. Die Qualifizierungsprogramme „kids in Takt“ und „teens in Takt“ sowie die auf den Jugendbereich zugeschnittenen Kurse für Fortgeschrittene, die so genannten D-Lehrgänge, waren ihm ein wichtiges Anliegen. Leistungsbereitschaft sollte auch im chormusikalischen Bereich messbar sein. Kinder- und Jugendchöre sollten sich nicht nur an ihrem Chorgesang, sondern auch an der Qualität ihrer Bildungsangebote messen lassen können.

Mit gleicher Vehemenz forderte er eine ebenso bundesweit einheitliche Ausbildung von Chorleiterinnen und Chorleitern im Kinder- und Jugendbereich ein. Dass Veränderungen, insbesondere im Zusammenspiel vieler verschiedener Partner, oft nur langsam zu erreichen sind, ließ ihn nie verzagen. Es entstanden konkrete Arbeitshilfen für alle, die sich der gesanglichen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen widmen. Aber auch weiterführende Strategien behielt Hermann Olberding im Auge. So vergegenwärtigte er die Herausforderungen des Demographischen Wandels und trieb unermüdlich die Kooperationen mit Schulen voran.

Sein Engagement machte nicht beim eigenen Verband halt. Federführend trat Hermann Olberding dafür ein, dass das kindgerechte Singen in allen Bereichen, ob in Verbänden oder Hochschulen, in der Politik oder Praxis diskutiert und durchgesetzt wird. Der im vergangenen Jahr durchgeführte Fachkongress ChorVision war hierfür ein Meilenstein. Mit Unterstützung von Kulturminister Bernd Neumann und der Kultusministerkonferenz initiierte Hermann Olberding eine breit angelegte Diskussion, in die auch der Verband Deutscher Schulmusiker und der Deutsche Musikrat eingebunden waren. Die Arbeit auf diesem Gebiet geht weiter. Die Deutsche Chorjugend wird ganz im Sinne von Hermann Olberding mit allen in Deutschland handelnden Partnern weiter daran arbeiten, dass möglichst alle Kinder gleiche Chancen und einen flächendeckenden Zugang zum Gesang als wichtigem Kulturgut haben.

Den Menschen das Singen nahe zu bringen und ihnen seine Wirkung für das soziale Miteinander zu verdeutlichen, war Hermann Olberdings wichtigstes Ziel. Er war Visionär und Realist zugleich. Gesteckte Ziele wurden mit Nachdruck verfolgt, sämtliche Möglichkeiten der Umsetzung ausprobiert. Dieser Beharrlichkeit verdankt die Deutsche Chorjugend zahlreiche ihrer Aktionen und Programme. Hervorzuheben ist an dieser Stelle „Singen bewegt – Tag der jungen Stimmen“. Konnte Hermann Olberding das erste bundesweite Event für das Singen mit Kindern und Jugendlichen im Jahr 2005 bei einer spektakulären Aktion im Plenarsaal des Bundesrates miterleben, ist ihm die Teilnahme an „Singen bewegt 2010“ nicht mehr vergönnt.

Hermann Olberding war es stets wichtig, dass nicht andere über das Wohl von Kindern und Jugendlichen verfügen, sondern die Jugend selbst. Er hat lange für die Gründung einer selbstständigen Jugendorganisation im damaligen Deutschen Sängerbund und heutigem Deutschen Chorverband mitgekämpft. Als Vorstandsmitglied des 1995 gegründeten Jugendverbandes setzte er sich dann auch innerhalb der eigenen Reihen dafür ein, dass Jugendliche mitreden und aktiv mitgestalten konnten. Das Jugendforum fit for top, in dem jugendliche Ehrenamtliche für die Verbandsarbeit geschult werden und eigene Projekte initiieren und durchführen können, war sein Projekt. Ebenso geht die Mitgliedschaft im Deutschen Bundesjugendring und damit auch die Anerkennung der Deutschen Chorjugend als verlässlicher Partner in der Jugendarbeit auf das Engagement und die Beharrlichkeit von Hermann Olberding zurück. Erst im vergangenen November konnte er mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend eine Rahmenvereinbarung über die Zusammenarbeit und Förderung im Bereich der Jugendverbandsarbeit schließen – ein weiterer Meilenstein in der Erfolgsgeschichte der Deutschen Chorjugend.

Dem hohen persönlichen Einsatz von Hermann Olberding ist es zu verdanken, dass die Deutsche Chorjugend in der Öffentlichkeit nicht nur als Fachverband für das qualifizierte Singen in Kinder- und Jugendchören gesehen wird, sondern dass dieser Jugendverband mit knapp 100.000 Mitgliedern auch eine angesehene Jugendorganisation im Sinne des Kinder- und Jugendhilfegesetzes geworden und als solche im Bereich der Jugendpflege und Jugendverbandsarbeit anerkannt ist.

Seinen umsichtigen Rat und seine visionären Gedanken werden wir schmerzlich vermissen. Wir verneigen uns vor seinem immensen ehrenamtlichen Engagement und seiner außerordentlichen Leistung. In seinem Sinne werden wir weiterarbeiten und Hermann Olberding stets ein ehrendes Andenken bewahren.

Deutsche Chorjugend e.V.
Der Vorstand

 

Foto "Hermann Olberding":

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