Berliner Appell der singenden Jugend in Deutschland
Singen ist "in". Deutschland sucht immer neue Superstars. Ganz Deutschland schaut dabei zu und fiebert mit. Alle, die gern singen, wissen: Singen macht Laune, schafft Freunde und hält fit. Aber auch jeder Superstar weiß: Singen braucht Übung. Wer übt, braucht Unterstützung, braucht Trainer. Es übt sich leichter in der Mannschaft. Die Chorjugend ist die größte singende Mannschaft Deutschlands.
Der Nachwuchs allerdings kommt nicht von selbst. Nicht fürs Showgeschäft. Erst recht nicht für den Konzertsaal, die Oper, den Probenraum der Chöre.
Damit Singen wirklich "in" wird, brauchen wir ein neues Umfeld:
Wir sagen: "Ohren auf!"
Wir brauchen mehr Familien, in denen gesungen wird. Der gemeinsame Gesang von Eltern und Kindern gehört einfach zum Aufwachsen und zur Erziehung dazu. Singen stärkt das Selbstbewusstsein. Miteinander Singen stärkt den Zusammenhalt.
Wir sagen: "Ohren auf!"
In unseren Kindergärten muss wieder mehr gesungen werden. Dafür brauchen wir Erzieherinnen und Erzieher, die in Ausbildung und Fortbildung gelernt haben, mit Kindern richtig zu singen. Musikalische Früherziehung ist wichtig für die Entwicklung der Kinder. Singen ist gesund, fördert das Denkvermögen und die Konzentrationsfähigkeit.
Wir sagen: "Ohren auf!"
In unseren Schulen muss wieder mehr gesungen werden. Der Musikunterricht darf nicht länger zugunsten anderer Fächer an den Rand gedrängt werden. Lehrerinnen und Lehrer, die Musik unterrichten, müssen auch Singen und Musizieren studiert haben. Und die Schulchöre haben so viel Aufmerksamkeit verdient wie die Schulsport-Mannschaften.
Wir sagen: "Ohren auf!"
Wir brauchen mehr Aufmerksamkeit. Denn wir singen nicht einfach nur für uns. Wir machen Jugendkultur.
Gut 110.000 junge Leute singen bei der Chorjugend in über 3000 Amateur-Chören. Doch da schaut Deutschland meistens noch weg.
Die Chorjugend ruft deshalb von Berlin aus: Seht genau her, hört genau hin:
Wir machen Kultur statt Randale. Wir hängen nicht ab, wir singen im Chor.
Und wir sagen: "Ohren auf!"
Damit wir unser Bestes geben können, brauchen wir:
Jugendförderung, auf die man bauen kann,
Kulturetats, mit denen man rechnen kann,
Politiker und Medien, die in unser Lied einstimmen.
Also Schluss mit der Nebenrolle für die Chöre und ihre Leistung. Spot an für Musik und Gesang als Breitensport. Dann geben wir der Zukunft eine neue Melodie.
Chorjugend im Deutschen Sängerbund
Berlin, 20. Juni 2003
Aktion "Paukenschlag vorm Reichstag"
Berlin im Juni 2003. Die Deutsche Chorjugend demonstriert vor dem Reichstag. Knapp dreihundert Kinder und Jugendliche marschieren vor dem Ostflügel des Parlamentsgebäudes auf und rufen "Ohren auf!".
In Hörweite der deutschen Volksvertreter/innen stellt der Jugendverband erstmals seine Kampagnenfähigkeit unter Beweis und verkündet seine jugendpolitischen Forderungen. Singen in Familie, Singen im Kindergarten, Singen in der Schule – die Deutsche Chorjugend fordert mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung für diese Themenfelder.



