Wer will zum Eurochoir 2017 nach Utrecht?

Sänger_innen von 18 bis 30 Jahren können sich bis zum 10. März um ein Stipendium für den "Eurochoir 2017" (30.6. bis 10.7.) bewerben.

Der durch die European Choral Association – Europa Cantat (ECA-EC) organisierte Eurochoir ist ein Chorevent, welches jährlich in einem anderen europäischen Land stattfindet und 50 bis 60 Sängerinnen und Sängern zwischen 18 und 30 Jahren die Chance gibt, eine Woche gemeinsam Chormusik und internationale Freundschaften zu entdecken und zu erleben. In diesem Jahr findet der Eurochoir vom 30. Juni bis 10. Juli in Utrecht (Holland) statt. Er steht wie in jedem Jahr unter der Leitung von zwei Chorleitern. In diesem Jahr sind das Maria van Nieukerken (NL) und Lorenzo Donati (I).

Allgemeine Informationen zum Projekt findet Ihr unter folgendem Link: http://www.europeanchoralassociation.org/our-activities/eurochoir/

Was ist das DCJ-Stipendium "Eurochoir 2017"

Stipendiaten des DCJ-Stipendiums "Eurochoir 2017" erhalten ein Stipendium in Höhe der Teilnahmegebühr von 220 Euro. Die Reisekosten muss jeder Teilnehmer / jede Teilnehmerin selbst übernehmen.

Wer kann sich bewerben?

Chorerfahrene Sängerinnen und Sänger im Alter von 18 bis 30 Jahren, die gut Blattsingen können bzw. sich gut auf die  Eurochoir-Woche vorbereiten. Gute Englischkenntnisse sind ebenfalls  von Vorteil.

Wie kann man sich bewerben?

Sendet uns Eure Bewerbung in Form eines kurzen Motivationsschreibens und eines chorischen Lebenslaufes bis zum 10. März 2017 an info @deutsche-chorjugend.de . Diese Bewerbung gilt nicht als Anmeldung für das Projekt. Daher bewerbt Euch bitte außerdem parallel bis zum 31. März 2017 direkt beim Veranstalter EC/ECA unter folgendem Link: http://www.zimihcintra.net/wp/

Erfahrungsbericht

Die Deutsche Chorjugend würde sich freuen, wenn sie auch in diesem Jahr wieder junge, begeisterte Chorsängerinnen und -sänger für dieses europäische Projekt begeistern und unterstützen kann. Als kleine Entscheidungshilfe gibt es hier den Erfahrungsbericht von Hanna Pommering, die letztes Jahr von der Deutschen Chorjugend unterstützt wurde und wunderbare Eindrücke vom Eurochoir mitgebracht hat:

"Gespannt und nervös komme ich an einem heißen Sommertag, es ist der 29. Juli 2016, in dem kleinen Ort San Vito al Tagliamento in Italien an und ahne noch nicht, was mich in den nächsten zehn Tagen erwarten wird. Es ist Nachmittagszeit… "Siesta"… und dementsprechend so gut wie nichts los auf den Straßen und Plätzen. Ich frage mich, wo die knapp 50 jungen Europäer sind, mit denen ich gemeinsam im Eurochoir singen soll. Doch im Hotel, in dem wir untergebracht sind, treffen nach und nach immer mehr junge Menschen ein. Schon bald muss man gar nicht mehr fragen: "Are you here for the Eurochoir?", da der Ort außer unserer Gruppe keine Gäste zu beherbergen scheint. Man unterhält sich in verschiedensten Sprachen und spekuliert gemeinsam darüber, wie die diesjährige Eurochoir-Session wohl wird und ob wir die Stücke (teilweise auf Finnisch, Dänisch und anderen komplizierten Sprachen) in der kurzen Zeit wirklich lernen können. Obwohl ich vor meiner Ankunft niemanden der Teilnehmer kenne, taue ich immer mehr auf und mache Bekanntschaften (hier und da auch mal auf Deutsch, obwohl die meiste Kommunikation natürlich international, also auf Englisch stattfindet).

Ich bin 19 Jahre alt, komme aus Frankfurt und singe seit vielen Jahren mit viel Engagement und Freude in verschiedenen Chören. Aber das hier ist anders: Ich bin Teil eines bunt zusammengewürfelten Haufens von Menschen aus ganz Europa und unter der Leitung von Mikko Sidoroff (aus Finnland) und Lorenzo Donati (aus Italien), die beide sehr renommierte und gefragte Chorleiter sind, werden wir innerhalb kürzester Zeit zu einem "richtigen" Chor zusammenwachsen. In einer Probenzeit von insgesamt ziemlich genau 33 Stunden studieren wir ein zweistündiges Programm ein, das wir anschließend an verschiedenen Orten in vier Konzerten präsentieren. Das klingt ziemlich verrückt… und das ist es vielleicht auch, aber fest steht: Es macht unglaublich viel Spaß und noch dazu erbringt man hier eine Leistung, auf die man wirklich stolz sein kann!

Heute staune ich darüber, wie wir es geschafft haben, schon nach den ersten gemeinsamen Stunden ein so starkes "Miteinander-Gefühl" zu entwickeln, dass wir sowohl auf der musikalischen als auch der sozialen Ebene schnell eine fest zusammenhängende Gruppe wurden, die sich unheimlich gut verstand und miteinander harmonierte. Letztendlich war es wohl die gemeinsame Liebe und Leidenschaft zur Musik, die uns schneller zusammenwachsen ließ, als ich es mir zuvor hätte vorstellen können. Aber nicht nur diese Leidenschaft, auch das gemeinsame Singen selbst hat uns in meinen Augen geholfen, uns besser zu verstehen, egal welche Sprache wir sprechen oder wie groß der Altersunterscheid sein mag. Durch das Singen haben wir ganz bewusst und konzentriert aufeinander gehört und gemeinsam die Impulse verinnerlicht und ausgestrahlt, die uns unsere wunderbaren Dirigenten so klar und einfühlsam entgegen brachten. Diese Verbindung ist für mich nahezu magisch und verpasst mir immer eine Gänsehaut, wenn ich darüber nachdenke.

Diese Gelegenheit, die gemeinsame Musikalität auszudrücken und zu genießen, bekommt man nicht alle Tage; sie ist ein extrem wertvolles Geschenk, für das ich sehr dankbar bin. Das Gefühl, in einer Probe ein Stück zum ersten Mal mit allen gemeinsam einfach mal so vom Blatt zu singen und zu spüren, dass es bereits jetzt (mehr oder weniger) gut klingt, ist einfach unbeschreiblich und macht – meiner Meinung nach – Lust auf mehr!

In den zehn Tagen Eurochoir war tatsächlich immer (ja, sogar auch außerhalb der Probenzeit!) deutlich zu spüren, wie sehr uns allen die Musik am Herzen liegt und wie gerne wir alle singen. So verging kaum ein Abend ohne die Gesänge unseres spontanen "sight reading clubs", der aus (teilweise wechselnden) Chormitgliedern bestand, die sich bei ihrem abendlichen Glas Wein nicht nur gerne unterhielten, sondern auch Noten (zum Beispiel die der Matthäus-Passion von Bach) auspackten und sangen, teilweise ohne jegliche Kenntnisse der Musik oder der Sprache. Egal, welchen Konzertort wir gerade besichtigten oder bei welchen freundlichen Unterstützern des Chores wir uns gerade bedankten, natürlich wurde immer das ein oder andere Lied angestimmt. Und natürlich sangen immer alle kräftig ihre Stimmen mit. Und dabei fühlte ich mich jedes Mal unendlich glücklich und frei! Dieses spontane Singen, das noch dazu wirklich gut klingt, ist einfach nicht in jeder Gruppe möglich. Aber hier, bei uns, im Eurochoir: jederzeit!

Jedes unserer Konzerte war für mich ein Höhepunkt unserer musikalischen Leistung. Angefangen mit dem Konzert im Dom von San Vito, was für uns durch unseren Aufenthalt in dem Ort als echtes "Heimspiel" mit einem unglaublich enthusiastischen Publikum anzusehen ist, über das Konzert in einer Basilika in Venedig, in der wir bei jedem Schlussakkord über unseren eigenen Hall staunen durften, über das Konzert in einem Konzertsaal (einer ehemaligen Kirche) im slowenischen Koper, das vom Radio mitgeschnitten wurde und ebenfalls von einem fantastischen Publikum besucht war, bis zum vierten und letzten Konzert in der unglaublichen Basilika von Aquileia. Dieses war für mich ein ziemlich emotionales Konzert, da mir bei jedem Stück gleichzeitig im Hinterkopf schwirrte, dass diese die letzte Gelegenheit war, bei der wir die Stücke in dieser Formation singen würden. Als wir hier für Teile des Konzertes in einem großen Kreis um das Publikum herum standen und Lorenzo Donati uns aus der Mitte des Zuschauerraums dirigierte, war die Gänsehaut bei mir durchgängig Programm! Dieses Gefühl ist nicht besser in Worte zu fassen; einfach unbeschreiblich schön und bewegend!

Neben der außerordentlich guten musikalischen Erfahrung in diesen zehn Tagen habe ich auch viele neue Freunde gefunden, von denen es mir sehr schwer fiel, mich zu verabschieden. Natürlich ist es traurig, dass man nach einer so intensiven gemeinsamen Zeit wieder getrennte Wege gehen muss und auf ein Wiedersehen evtl. lange warten muss. Dennoch kann ich allen im Alter von 18 bis 30 Jahren, die von Chormusik ebenso begeistert sind, sehr ans Herz legen, an einer Eurochoir-Session teilzunehmen! Die guten Erfahrungen, die man dort machen kann, sind unbezahlbar und die Erinnerungen kann einem niemand nehmen!


Nächstes Jahr findet der Eurochoir in Utrecht, Niederlande, statt. Hier ist Lorenzo Donati übrigens auch als einer der beiden Chorleiter dabei. Und im Jahr darauf, wenn der Eurochoir in Helsinki, Finnland stattfindet, ist Mikko Sidoroff der finnische Vertreter bei den Dirigenten. Beide Sessions lohnen sich also sehr!

Ich bedanke mich sehr herzlich bei der Deutschen Chorjugend (DCJ), die mir durch ihr Stipendium die Teilnahme an diesem außergewöhnlichen Chorprojekt ermöglicht hat."