Fachtagung "Demographischer Wandel – auch bei uns?!"
Fachtagung zu den Folgen der zukünftigen Bevölkerungsentwicklung für die Chorjugendarbeit
Am 8. und 9. November 2008 haben sich zahlreiche Jugendarbeiter/innen der Deutschen Chorjugend mit den Folgen der zukünftigen Bevölkerungsentwicklung für die Chorjugendarbeit auseinander gesetzt. Die Fachtagung "Demographischer Wandel – auch bei uns?!" in Frankfurter PresseClub (Frankfurt am Main) fand nicht nur Anklang innerhalb des Verbandes. Der Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Kultur und Medien, Hans-Joachim Otto, war zu Gast und zeigte sich sehr interessiert an den Ergebnissen der Tagung.
Neben den Vorträgen der eingeladenen Expertinnen und Experten gab es vier Workshops, in denen die Teilnehmer/innen die neuen Herausforderungen diskutiert und Lösungsvorschläge erarbeitet haben. Die Ergebnisse sind vielfältig und setzen an verschiedenen Punkten an. Eine ausführliche Dokumentation ist in Vorbereitung und soll im Laufe des Jahres erscheinen.
Schon jetzt sind die Folgen des Demographischen Wandels in den Kinder- und Jugendchören spürbar, so die Berichte der Teilnehmer/innen, die von allen Ebenen des Verbandes zusammengekommen waren. Es gibt eine zunehmende Fluktuation in den Chören, und die erhöhte Belastung der Jugendlichen durch gestiegene Anforderungen in der Schule wirkt sich auf das Freizeitverhalten aus. Spürbar war daher bei vielen Tagungsteilnehmer/innen der Wille zum Aufbruch. Man will verstärkt neue Wege ausprobieren und selbst die Dinge anstoßen – insbesondere dort, wo sich Chorvorstände wenig flexibel zeigen. Initiative und Innovation sind die Schlagwörter, die den neuen Trend beschreiben.
Grundtenor in allen Workshops war, dass den Veränderungen mit verstärkter Jugendarbeit und Qualifikation der Jugendlichen, mit verstärkter Öffentlichkeitsarbeit und verstärkten Kooperationen begegnet werden muss. Im Workshop "Interessen vertreten" wurde die Wichtigkeit deutlich, Jugendliche in allen Entscheidungsebenen zu beteiligen – angefangen im Chor (etwa als Chorsprecher) über die verschiedenen Verbandsebenen (als Jugendvertreter) bis hin zu kommunalen Strukturen (Stadt- oder Kreisjugendringe). Jugendvertreter sollten auf allen Verbandsebenen (Verein / Kreis-/Landes-/Bundesverband) in die strategischen Entwicklungen einbezogen werden. Die Jugendlichen müssen neben der musikalischen Förderung auch überfachlich, also in den Bereichen Organisation und politisches Handeln qualifiziert werden. Entscheidend ist auch die Selbstorganisation der Jugend, denn nur eigenständige Jugendorganisationen können von öffentlichen Fördermitteln profitieren.
"Chancen nutzen" hieß ein weiterer Workshop, der die oftmals fehlende Identifikation der Sänger/innen mit ihrem Chor als eines der Handlungsfelder erkannte. Der Chor müsse sich stärker als bisher an der Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen orientieren und Identifikation schaffen, so die Forderung. Hierzu zählt besonders ein altersgerechtes und modernes Repertoire. Neben Angeboten der Beteiligung (angefangen bei der Mitgestaltung der Chorproben) sollten die Chorvereine neben der musikalischen Arbeit auf Freizeiterlebnisse (Chorfahrten, regelmäßige Freizeitangebote) setzen.
Wie ein roter Faden zog sich das Thema "Kooperationen mit Schulen" durch die Fachtagung. Was zunächst als Gefahr ausgemacht wurde (Stichwort Ganztagsschule), wandelte sich im Laufe der Diskussion zu einer Herausforderung, die auch viele Chancen bietet. Wenn die Gruppe der Kinder und Jugendlichen insgesamt kleiner wird, müssen neben der bislang in der Regel bildungsbürgerlichen Zielgruppe neue Gruppen aktiviert werden, etwa sozial Benachteiligte oder Kinder mit Migrationshintergrund. Ganz im Sinne der Forderung nach mehr Initiative und Innovation wurde deutlich, dass man mittelfristig die Schulen in die Arbeit einbeziehen muss.
Die Deutsche Chorjugend wird sich daher in 2009 schwerpunktmäßig mit möglichen Kooperationen zwischen Chören und Schulen beschäftigen und konkrete Handlungsempfehlungen herausgeben. Der Fachkongress im Rahmen der ChorVision 2009 präsentiert bereits gelungene Beispiele von Kooperationsmodellen.
ReferentInnen bei der Fachtagung:
Dr. Juliane Roloff, Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung
Dr. Mike Seckinger, Deutsches Jugendinstitut
Hildegard Bockhorst, Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung
Detlef Raabe, Deutscher Bundesjugendring
Matthias Laurisch, Deutsche Bläserjugend
Die Fachtagung fand statt in Kooperation mit der Chorjugend im Hessischen Sängerbund.
Tagungsprogramm [download]

